Hannes Ringlstetter

Hannes Ringlstetter


Heile Welt - Tour 2021

Weniger ist mehr. Wenn Hannes Ringlstetter Texte schreibt, geht das vom Vielen zum Wenigen. Reduzieren braucht Zeit, sagt er. Was dabei herauskommt: Gar kein Weltschmerz. Ganz viel echtes Leben. Und Substanz. In einer Sprache, die den Kern der Dinge freilegt und mit dem Witz, den es braucht, um das echte Leben auszuhalten.

Sein neues Album heißt ‚Heile Welt‘. Ironisch gemeint? Nur ein Stück weit. Die heile Welt von Hannes Ringlstetter, dem Musiker, den das Leben und die ungezügelte Kreativität auch zum Kabarettisten, Schauspieler, TV-Moderator und Buchautor gemacht hat, ist kein glattes Idyll. Sie ist für ihn irgendwie auch ein Sehnsuchtsort. Da sind Zweifel, Risse, Sehnsucht und die Nacht – genauso wie Familie, Supermarktkassenkräfte und Menschen, die Dir mit einem Blick den Tag versauen. Auf jeden Fall macht er Musik, die er mit seinem Publikum teilen will. Ganz schön nah. Nähe ist da sowieso viel in allen Geschichten, die er auf diesem Album erzählt. Nähe zu sich selbst und dem brüllenden Leben.

„Hinterher“ zum Beispiel - ein wirklich großes Liebeslied - beginnt mit einem walzerleichten Piano, dann reißt Hannes Ringlstetter grummelnd den Vorhang auf: „I bin ja wirklich a schweres Kaliber…“. Ein Raubein, das dann aber sein Gegenüber und sich selbst in feinsinnigen Metaphern beschreibt: „… du bist tief aber du bist net schwer - und ich lieb dir hinterher“. „Julinacht“ ist ein Song fast wie zum Anfassen - eine unglaublich sympathische Selbstbetrachtung beim Warten … irgendwo am Ska und zwingend tanzbar, mit dem leicht schwermütigen, vor allem aber lebenstrunkenen Gefühl einer schwülen Sommernacht. In „Bleiben“ geht es wieder um die Liebe – die langjährige. Eigentlich ist es ein ganz warmes und erkenntnissreiches Plädoyer für Reflektion & Innehalten: „Bleiben is ned leicht, aber geh‘, des kann a jeder.“

Die Verbindung kommt über die unverkennbare Stimme. Sie öffnet das Fenster zu Hannes Welt. Mal knarzend wie krumme Wirtshausdielen zur Sperrstunde, mal sanft und leise, aber immer mit der unwiderstehlichen Anziehungskraft und der sonoren Tonfülle seines Basses. Schon in der Stimme liegt die Lust am Leben in all seinen Schattierungen. Dazu gibt es eingängige Gitarrenmelodien, große Bläsersätze – und so banal, wie richtig: Gute Musik. Seine musikalischen Gefährten bewegen sich dicht rund um sein Reibeisen, lassen ihm aber immer genügend Raum. Genau darin liegt die wohltuende Kraft von „Heile Welt“: Hier ist keine Effekthascherei, nichts Gestelltes – sondern die Reduzierung auf einen emotionalen Kern.

Ein Stück heile Welt? Unbedingt.

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